Antigone, Theater Akzent

Auszug aus einem Interview:

I: Welches war die Ausgangspunkte für deine Arbeit, Claudia?
C.B: Fragen. Viele Fragen.
Wie weit geht ein Mensch für seine Überzeugung? So weit, dass er bereit ist, dafür in den Tod zu geht, so wie Antigone?
Was passiert, wenn man mitten im Widerstand seiend bemerkt, dass die Wirklichkeit, die man sich gebaut hat durch entgegengesetzte Fakten dekonstruiert wird?
Und: Wie kann der Stoff der Antigone vor dem Hintergrund dieser Fragen und dem weltweiten gesellschaftlichen und politischen Wandel, zeitgemäß für ein junges Publikum ab 12 Jahren umgesetzt werden?

I: Was war dir wichtig?
C.B: Ich wollte keine Held:Innen zeigen, sondern Menschen in unterschiedlichen Positionen und Funktionen, aus denen heraus sie argumentieren und handeln.

I: Wer ist Antigone?
C.B: In Antigone zeige ich eine junge Frau, die ihre Werte vertritt, für sie kämpft, aber nicht einfach aus Trotz an einer Überzeugung festhält.

I: Wer ist Kreon?
C.B: Ein Mensch, der in eine Machtposition gespült wurde und nun versucht, dieser gerecht zu werde.
Ein Gedanke der immer da ist….
Die Menschen kommen oder gehen in die Politik oder in Machtpositionen. Sie haben, so wie alle Menschen, 24 Stunden pro Tag. Diese sind zur Nahrungsaufnahme und -abgabe, zum Schlafen, zur Körperhygiene, zum Pflegen von Sozialkontakten und für die Arbeit. Die Liste der Aufgaben und Verantwortlichkeiten der Politiker ist trotz Delegieren enorm. Dementsprechend sehen von ihnen getroffene Entscheidungen und ihre Konsequenzen aus. So auch bei Kreon.

I: Du hast ja eine eigene Fassung gemacht, gibt es da etwas das dir wichtig war?
C.B: Beim Lesen der Fassung von Jean Anouilh stellte ich fest, dass ich gedanklich und emotional in den Dialogpassagen zwischen Kreon und Antigone abwechselnd die eine und dann die andere Person verstehen konnte. Antigone argumentiert aus ihrem persönlichen Erleben, Kreon aus seiner Verantwortlichkeit heraus. Jede Person will die andere Person von der eigenen Sichtweise überzeugen. Beide sind in ihrer Sichtweise erst einmal gefangen. Mir wurde klar, dass ich sowohl in der Textfassung als auch in der Inszenierung den Verhandlungen zwischen Antigone und ihren Für- und Widerstreitern einen großen Fokus geben möchte.
Kreon besetzte ich dreifach, mit Männern in unterschiedlichem Alter. Der Jüngste spielte gleichzeitig auch Hämon, den Sohn Kreons und Verlobten Antigones, als auch den jüngsten König Kreon. Dies gab die Möglichkeit die „Zerreissprobe“, in der ein Mensch sein kann, zu zeigen.

I: Warum der Chor?
C.B: Bei Sophokles gibt es ihn, bei Anouilh nicht. In meiner Inszenierung des Antigone Stoffes ist der Chor die Gesellschaft in ihrer gesamten Vielfalt. Für mich war klar, dass alle Spieler:innen, aus dem Chor heraus in ihre Rollen und aus den Rollen heraus wieder in den Chor gehen.

I: Gibt es für Antigone eine Entwicklung?
C.B: Sie erkennt im Verlauf der Inszenierung, dass sie fast Opfer ihrer Familiengeschichte geworden wäre, als Kreon und der Chor ihr Familienwissen mit Verborgenem ergänzen. Dies ermöglicht ihr, ihre Situation zu begreifen und einen neuen Weg einzuschlagen.